© Robert Wimmer

INTERVIEW Wiener Zeitung, Printausgabe 24. Februar 2018

»Viele Dinge haben sich zufällig ergeben«

Christine Dobretsberger im Gespräch mit Hans Schmid

Er war Inhaber einer Werbeagentur und Zeitungsverleger, ist u.a. Eigentümer des Kaufhauses "Steffl", Eishockey-Präsident und Verehrer der Werke von Christine Lavant: Hans Schmid über seine vielen Leben und Interessen.

"Wiener Zeitung": Herr Schmid, Sie haben in Ihrem Leben bisher in den unterschiedlichsten Sparten Erfolgsgeschichten geschrieben . . .

Hans Schmid: Auch Misserfolgsgeschichten . . .

Beginnen wir mit einer vielleicht weniger bekannten Facette Ihrer Persönlichkeit. Sie haben ein besonderes Interesse für Lyrik, ganz speziell für das literarische Schaffen von Christine Lavant. Was fasziniert Sie an dieser Dichterin?

Als ich 17 Jahre alt war, habe ich zufällig den Gedichtband "Die unvollendete Liebe" in die Hände bekommen, der mich ungemein beeindruckt hat. Daraufhin habe ich alles gelesen, was es von Chris-tine Lavant gab. Mit Lyrik ist es ähnlich wie mit bildender Kunst: Entweder ein Werk berührt mich oder nicht. Vor einigen Jahren konnte ich dann Teile ihres Nachlasses kaufen, und meine Privatstiftung verfügt über die Rechte an ihrem Werk. Mit ihrem Neffen, Armin Wigotschnig, traf ich dann die Vereinbarung, dass ich dafür sorgen werde, dass endlich die lang angekündigte Gesamtausgabe ihrer gesammelten Texte erscheint: 1800 Gedichte und rund 1200 Seiten Prosa. Drei Bände sind bereits im Wallstein Verlag erschienen, der vierte und letzte Band ist in Arbeit.

2015 haben Sie in Wien die Christine Lavant Gesellschaft gegründet, des Weiteren soll demnächst "Das Wechselbälgchen" in der Regie von Julian Pölsler verfilmt werden. Dass Sie einmal als erfolgreicher Unternehmer und Lavant-Mäzen in Erscheinung treten, war Ihnen aber wohl nicht in die Wiege gelegt worden . . .

Nein. Sowohl mein Vater wie mein Ziehvater waren Eisenbahner. Meine Mutter hatte 1933 eine Jausenstation am St. Leonharder See in der Nähe von Villach erworben und zu einem respektablen Dorfgasthaus ausgebaut. Ich musste von klein auf im Wirtshaus mithelfen und kannte nichts anderes als Arbeit. Sonn- und Feiertage gab es nicht. Ich habe diese Arbeit gehasst und mich unheimlich geniert, wenn meine Schulkameraden in die Jausenstation gekommen sind. Nur wenn ein Fußballmatch am Programm stand, bin ich einfach abgehauen und erst dann wieder zurück ins Wirtshaus, wenn unsere Gäste meiner Mutter bereits erzählt hatten, dass ich gut gespielt habe. Da konnte sie dann nicht böse sein.

War vonseiten Ihrer Eltern vorgesehen, dass Sie das Wirtshaus einmal übernehmen sollen?

Meine Mutter wollte, dass ich das Gasthaus übernehme. Da habe ich mich einfach geweigert. Gott sei Dank war dann mein Bruder da-ran interessiert, in Zukunft das Gasthaus mit seiner Familie zu führen. Ich wollte unbedingt die Matura machen und bin von der Hauptschule in die Handelsakademie nach Klagenfurt gewechselt. Nach der Matura bin ich dann nach Wien, um Welthandel zu studieren. Meine erste Wohnung lag direkt beim Bahnhof am Gürtel. Das war eine ziemliche Umstellung für mich. Ich bin ja an einem sehr ruhigen See aufgewachsen, Straßenlärm gab es bei uns kaum. Meine nächste Wohnung war im dritten Bezirk, die von der Lage zwar besser war, allerdings war unter mir ein Gasthaus, wo fast täglich Gewichtheber trainiert haben. Wenn die Männer die Gewichte absetzten, hat es ordentlich gerumpelt. Dann hatte ich allerdings großes Glück. Eine ältere Dame, die Mann und Sohn im Krieg verloren hatte, hat mir ein gartenseitig gelegenes Zimmer vermietet, das mit wunderschönen Möbeln ausgestattet war. Ich erinnere mich noch heute an dieses unbeschreibliche Glücksgefühl, als ich diesen Raum zum ersten Mal betrat.

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